Die schnellste Einstiegsübung ist die Kombination aus Ruheformel und kurzer Schwereübung: drei bis fünf Minuten, sitzend oder liegend, Augen geschlossen. Sie sagen sich innerlich „Ich bin ganz ruhig“ und dann „Mein rechter Arm ist ganz schwer“, jeweils mehrmals wiederholt. Zum Schluss kommt die Rücknahme: Arme kräftig beugen und strecken, tief durchatmen, Augen öffnen. Diese Rücknahme ist kein netter Zusatz, sondern verhindert, dass Sie benommen aus der Übung gehen.
Kurz gesagt:
- Regelmäßiges Üben über vier Wochen erhöht die Wahrscheinlichkeit, körperliche Entspannungszustände wie Schwere oder Wärme regelmäßig zu spüren.
- Die Rücknahme der Übungen ist essenziell, um Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen zu verhindern.
- Bei akuten psychischen Erkrankungen oder Herzproblemen sollte autogenes Training nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
- Die Wirksamkeit ist bei kleinen Studien mit unterschiedlichen Methoden begrenzt, eine Verbesserung bei Stress, Kopfschmerzen und Schlaf ist wahrscheinlich.
- Unterschiede in der neuronalen Aktivierung zeigen, dass sich neuronale Muster erst mit wiederholtem Training stabilisieren.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist autogenes training und was zeigen studien dazu?
- Die grundübungen: formeln und ablauf im detail
- Wie übe ich autogenes training richtig?
- Wann sollte man autogenes training nicht machen?
- 4-Wochen-Starterplan für autogenes training übungen
- Perspektive: Wann eine Kursbegleitung wirklich hilft
- Welche atemtechniken passen zum autogenen training?
- Lässt sich autogenes training mit anderen methoden kombinieren?
- Was der artikel zeigt und was oft übersehen wird
- Balance-journey begleitet Sie beim Üben
- Quellen
- FAQ
Was ist autogenes training und was zeigen studien dazu?
Autogenes Training ist eine Form der Autosuggestion, die der Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz in den 1920er Jahren entwickelt hat. Ziel ist eine vegetative Umschaltung: Der Körper wechselt vom aktivierenden Sympathikus in den beruhigenden Parasympathikus, ähnlich wie im Schlaf, nur bewusst herbeigeführt.
Was dabei im Kopf passiert, ist keine reine Behauptung. Eine fMRT-Studie aus dem Jahr 2006 hat geübte Anwender mit einer Kontrollgruppe verglichen und bei den Geübten eine messbare Aktivierung in motorischen und sensiblen Hirnarealen festgestellt. Bei ungeübten Personen war stattdessen mehr Sprachareal beteiligt, was dafürspricht, dass regelmäßige Praxis das Verfahren von reiner Gedankenarbeit zu einem eingespielten körperlichen Vorgang verschiebt.
Zur Wirksamkeit insgesamt zeigt eine Auswertung mehrerer Studien der Universität Regensburg positive Effekte bei:
- Stressverarbeitung und allgemeiner Anspannung
- Kopfschmerzen und einigen psychosomatischen Beschwerden
- Schlafqualität, wenn regelmäßig geübt wird
Die Studienlage ist allerdings uneinheitlich. Viele Untersuchungen arbeiten mit kleinen Gruppen und unterschiedlichen Methoden, weshalb seriöse Quellen von einem soliden, aber begrenzten Wirksamkeitsnachweis sprechen und nicht von einer Wunderformel.
Die grundübungen: formeln und ablauf im detail
Die sogenannte Grundstufe nach Schultz besteht aus sechs beziehungsweise sieben Übungen, die DocCheck Flexikon mit ihren physiologischen Effekten beschreibt: Muskeltonus sinkt, Gefäße weiten sich, Herzschlag und Atmung verlangsamen sich. Jede Übung baut auf der vorherigen auf.
- Ruheformel: Der Einstieg in jede Sitzung. Formel: „Ich bin ganz ruhig.“ Drei bis vier Wiederholungen, dann zur nächsten Übung wechseln.
- Schwereübung: Konzentration auf einen Arm, dann beide Arme, dann Beine. Formel: „Mein rechter Arm ist ganz schwer.“ Fünf bis sechs Wiederholungen pro Körperteil, wichtig ist, dass Sie die Schwere nicht erzwingen, sondern zulassen.
- Wärmeübung: Baut auf der Schwere auf. Formel: „Mein rechter Arm ist angenehm warm.“ Diese Übung braucht meist mehr Übung als die Schwere, weil Durchblutung schwerer willentlich zu beeinflussen ist.
- Atemübung: Formel: „Meine Atmung ist ruhig und gleichmäßig.“ Sie steuern die Atmung nicht aktiv, Sie beobachten sie nur und lassen sie ruhiger werden.
- Herzübung: Formel: „Mein Herz schlägt ruhig und kräftig.“ Bei Herzrhythmusstörungen oder Angst vor Herzsymptomen sollten Sie diese Übung mit einem Arzt absprechen.
- Sonnengeflechtübung: Formel: „Mein Sonnengeflecht ist strömend warm.“ Das Sonnengeflecht liegt oberhalb des Bauchnabels, diese Übung entspannt oft auch die Verdauung.
- Stirnübung: Formel: „Meine Stirn ist angenehm kühl.“ Anders als die anderen Formeln zielt diese auf Kühle statt Wärme, was den Kopf klar und wach hält, während der Rest des Körpers entspannt bleibt.
Für unterwegs reicht eine Kurzvariante aus Ruheformel und Atemübung, zwei bis drei Minuten, auch im Sitzen am Schreibtisch möglich. Fortgeschrittene üben irgendwann die komplette Folge in einem Durchgang, Anfänger sollten jede Übung einzeln vertiefen, bevor sie mit der nächsten fortfahren.
Wie übe ich autogenes training richtig?
Drei Haltungen haben sich etabliert, wie auch Neurologen und Psychiater im Netz beschreibt: die Liegehaltung mit ausgestreckten Armen neben dem Körper, der Lehnsessel mit Kopf- und Armstütze und die sogenannte Droschkenkutscherhaltung im Sitzen, bei der Sie leicht nach vorne gebeugt sitzen, Unterarme auf den Oberschenkeln, Kopf locker nach vorne fallend. Letztere funktioniert auch im Büro.
Vor dem Start ein paar Punkte klären:
- Ruhiger Ort ohne Störung, Handy stumm oder ganz aus
- Lockere Kleidung, kein enger Gürtel
- Raumtemperatur angenehm, kein Zug
Zur Häufigkeit rät das AOK Magazin Anfängern zu zwei bis drei kurzen Einheiten täglich, jeweils zwei bis fünf Minuten. Fortgeschrittene dehnen einzelne Sitzungen auf zehn bis fünfzehn Minuten aus. Bis sich die Effekte zuverlässig einstellen, vergehen meist einige Wochen als normaler Lernprozess.
Profi-Tipp: Üben Sie autogenes Training nie kurz vor dem Autofahren ohne vollständige Rücknahme. Die Reaktionszeit ist danach noch verlangsamt, deshalb Arme strecken, tief atmen, Augen öffnen, erst dann aufstehen.

Die Rücknahme ist kein Nebenschritt: Sie holt den Kreislauf zurück auf Betriebstemperatur und verhindert Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen.
Wann sollte man autogenes training nicht machen?
Während des Lernens tauchen häufig harmlose Reaktionen auf: Kribbeln in Armen oder Beinen, kleine Muskelzuckungen, manchmal auch unerwartete Emotionen wie Traurigkeit oder Unruhe. Das DocCheck Flexikon beschreibt diese sogenannten autogenen Entladungen als meist selbstlimitierend, sie verschwinden mit fortschreitender Übung von selbst.
Anders sieht es bei bestimmten gesundheitlichen Vorgeschichten aus. Bei akuten Psychosen, schweren unbehandelten Depressionen oder ungeklärten, ernsten Herzsymptomen sollte autogenes Training nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin begonnen werden. Auch bei starker Angst vor Kontrollverlust kann die Tiefenentspannung zunächst irritierend wirken.
Wenn eine Übung unangenehm wird: sofort die Rücknahme durchführen, eine Pause machen und beim nächsten Versuch langsamer vorgehen. Wiederholt sich ein starkes Unwohlsein, ist ein Gespräch mit einem Therapeuten oder einer geschulten Kursleitung sinnvoller als stures Weiterüben.
4-Wochen-Starterplan für autogenes training übungen
Ein fester Rhythmus bringt autogenes Training schneller in den Alltag als sporadisches Üben.
- Woche 1: Nur Ruheformel und Schwereübung, zwei bis fünf Minuten täglich, am besten zur gleichen Uhrzeit.
- Woche 2: Wärmeübung und Atemübung ergänzen, Gesamtdauer auf fünf bis zehn Minuten steigern.
- Woche 3: Herzübung und Sonnengeflechtübung dazunehmen, weiterhin einmal täglich die volle Folge durchgehen.
- Woche 4: Komplette Grundfolge inklusive Stirnübung üben, dabei bewusst auf Tempo und Rücknahme achten.
Ein kurzes Übungstagebuch hilft, Fortschritt sichtbar zu machen: Datum, Dauer, welche Körperempfindung aufgetreten ist. Feste Zeitfenster, etwa direkt nach dem Aufstehen oder vor dem Mittagessen, erhöhen die Chance, dass die Routine nicht nach zwei Wochen wieder einschläft.
Perspektive: Wann eine Kursbegleitung wirklich hilft
Mein Name ist Magdalena, ich beschäftige mich seit Jahren mit Entspannungsverfahren und begleite Menschen bei Balance-journey durch Stressmanagement-Kurse.
Allein üben funktioniert für viele gut, gerade bei den ersten beiden Grundübungen. Schwieriger wird es, wenn starke Gefühlsreaktionen auftreten oder wenn die Wärmeübung einfach nicht gelingen will, egal wie oft man es versucht. Dann hilft eine Rückmeldung von außen mehr als jede Anleitung im Internet. Auch wer unter sozialer Anspannung Struktur und einen festen Termin braucht, profitiert von einer Kursbegleitung statt vom Selbststudium.
— Magdalena
Welche atemtechniken passen zum autogenen training?
Autogenes Training baut die Atemberuhigung schon in seine Formeln ein, aber ergänzende Atemtechniken können den Einstieg erleichtern, besonders für Menschen, die mit der reinen Autosuggestion zunächst wenig anfangen können.
Die 4-7-8-Atmung funktioniert als kurze Vorbereitung: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen. Wer damit direkt vor der Ruheformel startet, kommt oft schneller in einen ruhigeren Grundzustand.

Auch die Bauchatmung lohnt sich als Basisübung, vor allem für Menschen, die überwiegend flach in den Brustkorb atmen. Eine Hand auf dem Bauch, beim Einatmen hebt sich die Hand, beim Ausatmen sinkt sie wieder. Das schult genau das Körpergefühl, das später bei der Atemübung im autogenen Training gebraucht wird.
Ergänzend nennt Gesund weitere Entspannungsmethoden, die sich mit autogenem Training kombinieren lassen, etwa Achtsamkeitsübungen oder einfache Körperwahrnehmungsübungen. Wichtig ist dabei, nicht zu viele Techniken parallel zu lernen. Eine Methode fest verankern, dann erst die nächste dazunehmen, das funktioniert deutlich besser als drei Verfahren gleichzeitig anzufangen und keines wirklich zu beherrschen.
Lässt sich autogenes training mit anderen methoden kombinieren?
Ja, und in der Praxis ergänzen sich manche Verfahren besser als andere. Die naheliegendste Kombination ist progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bei der Muskelgruppen aktiv angespannt und wieder gelöst werden. Wer mit der reinen Vorstellungskraft des autogenen Trainings noch fremdelt, spürt bei der Muskelentspannung schneller einen körperlichen Effekt, weil die Anspannung real und nicht nur suggeriert ist. Viele Kursteilnehmer beginnen deshalb mit progressiver Muskelentspannung und wechseln später zu autogenem Training, wenn der Körper das Prinzip „loslassen“ schon kennt.
Auch Meditation lässt sich gut anschließen, allerdings in der Reihenfolge danach statt parallel. Autogenes Training bringt den Körper zunächst in einen ruhigen physiologischen Zustand, danach fällt es leichter, in einer Meditation den Geist zu beobachten, ohne von körperlicher Unruhe abgelenkt zu werden.
Wichtig ist, die Methoden nicht wahllos zu mischen. Wer an einem Tag autogenes Training, an einem anderen progressive Muskelentspannung und dazwischen noch Atemübungen probiert, baut selten eine stabile Routine auf. Sinnvoller ist es, eine Methode über mehrere Wochen zur Basis zu machen und erst dann gezielt zu ergänzen, etwa mit einer kurzen Meditation nach der abendlichen autogenen Sitzung.
Was der artikel zeigt und was oft übersehen wird
Die verbreitete Erwartung, autogenes Training funktioniere nach ein oder zwei Versuchen, ist der größte Stolperstein für Einsteiger. Die fMRT-Daten zeigen deutlich, dass sich neuronale Muster erst mit wiederholter Praxis verändern, nicht beim ersten Anlauf. Wer nach einer Woche aufgibt, weil die Wärmeübung nicht klappt, gibt genau an dem Punkt auf, an dem andere erst richtig anfangen zu spüren, was passiert.
Der zweite blinde Fleck ist die Rücknahme. Viele Anleitungen im Internet erwähnen sie nur am Rand, dabei ist sie der Teil, der über ein gutes oder schlechtes Nachgefühl entscheidet. Und der dritte Punkt: autogenes Training ersetzt keine Therapie bei ernsten psychischen oder körperlichen Beschwerden, das leisten seriöse Quellen auch nicht. Es ist ein solides Werkzeug für Alltagsstress, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wer strukturiert vorgeht, den 4-Wochen-Plan tatsächlich durchzieht und bei Unsicherheiten fachliche Begleitung sucht statt zu improvisieren, hat realistische Chancen auf spürbare Entspannung.
Balance-journey begleitet Sie beim Üben
Wer die Grundübungen allein ausprobiert hat und merkt, dass Feedback fehlt, findet bei Balance-journey einen strukturierten Weg statt Trial-and-Error im Wohnzimmer.

Der 8-Wochen-Kurs nach Schultz kostet 130 € einmalig und führt Schritt für Schritt durch alle Grundübungen, mit direkter Rückmeldung durch geschulte Trainer statt anonymer Videoanleitung. Das hilft besonders dann, wenn die Wärmeübung einfach nicht gelingen will oder wenn während des Übens unerwartete Gefühlsreaktionen auftreten, für die eine Anleitung im Internet keine Antwort hat.
Der Kurs läuft sowohl online als auch vor Ort. Wer zunächst unverbindlich reinschnuppern möchte, findet auf der Übersichtsseite für Privatkunden weitere Details zu Einzelsitzungen und Kursterminen. Die Anmeldung läuft direkt über den Shop, ein Blick auf die verfügbaren Termine lohnt sich schon jetzt.
Quellen
- DocCheck Flexikon: Autogenes Training
- Dissertation / Auswertung zu Autogenem Training (Uni Regensburg)
- AOK Magazin: Autogenes Training – Anleitung
FAQ
Welche 6 Grundübungen gibt es im autogenen Training?
Die Grundstufe umfasst Ruheformel, Schwereübung, Wärmeübung, Atemübung, Herzübung und Sonnengeflechtübung, manche Anleitungen zählen die Stirnübung als siebte Übung dazu. Jede Übung baut auf der vorherigen auf und wird über mehrere Wochen einzeln gefestigt, wie DocCheck Flexikon beschreibt.
Wie mache ich autogenes training richtig?
Sie setzen oder legen sich in eine der drei Standardhaltungen, schließen die Augen und wiederholen innerlich die jeweilige Formel, etwa „Mein Arm ist ganz schwer“. Am Ende steht immer die Rücknahme mit Armestrecken, tiefem Atmen und Augenöffnen, wie Neurologen und Psychiater im Netz erklärt.
Wann sollte man autogenes training nicht machen?
Bei akuten Psychosen, schweren unbehandelten Depressionen oder ungeklärten ernsten Herzsymptomen sollte autogenes Training nur nach ärztlicher Rücksprache begonnen werden. Harmlose Reaktionen wie Kribbeln oder Muskelzucken sind dagegen normal und meist selbstlimitierend.
Was ist das beste autogenes training für Einsteiger?
Für Einsteiger eignet sich der Einstieg über Ruheformel und Schwereübung am besten, jeweils zwei bis fünf Minuten, zwei bis drei Mal täglich. Ein strukturierter 8-Wochen-Kurs mit Trainerbegleitung kann diesen Einstieg zusätzlich erleichtern, wenn Selbststudium allein nicht ausreicht.
Wie lange dauert es, bis autogenes training wirkt?
Erste körperliche Effekte wie Schwere in den Armen spüren viele Übende schon in der ersten Woche, spürbare Entspannung im Alltag braucht meist mehrere Wochen regelmäßiges Üben. Das AOK Magazin empfiehlt dafür feste, kurze Übungseinheiten statt seltener langer Sitzungen.


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