In 4 Wochen den inneren sicheren Ort nach Reddemann visualisieren

Meditationsecke mit beruhigenden Naturelementen

Der innere sichere Ort ist eine geführte Imaginationsübung, die Ihr Nervensystem in wenigen Minuten beruhigt: Sie stellen sich einen Ort vor, an dem Sie sich vollkommen geschützt fühlen, und geben ihm über alle Sinne Gestalt. Die Übung dauert in der Regel einige Minuten bis etwa eine Viertelstunde und eignet sich für akuten Stress, als tägliches Ritual oder zur Vorbereitung auf belastende Situationen. Bei schweren psychischen Symptomen gehört sie in fachliche Begleitung, nicht in Eigenregie.


Kurz gesagt:

  • Die Imagination eines sicheren Ortes wirkt fast wie echte Entspannung, weil das Gehirn auf neuronaler Ebene kaum zwischen Vorstellung und Realität unterscheidet.
  • Bei akuten psychischen Problemen oder Dissoziation sollte die Übung nur unter fachlicher Begleitung durchgeführt werden, um Risiken zu vermeiden.
  • Um den sicheren Ort effektiv zu verankern, empfiehlt es sich, alle Sinne systematisch anzusprechen und einen unauffälligen Anker im Alltag zu entwickeln.
  • Regelmäßiges Wiederholen und gezielte Nutzung des Ankers vor stressigen Situationen erhöht die Wirksamkeit deutlich.
  • Eine Einzelsitzung mit einem Trainer kann bei belastender Vorgeschichte helfen, die Übung sicher und effektiv zu erlernen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der innere sichere Ort und wofür eignet er sich?

Der innere sichere Ort ist eine ressourcenorientierte Vorstellungsübung. Sie erschaffen im Kopf einen Ort, real oder erfunden, an dem nichts Bedrohliches passieren kann, und aktivieren damit gezielt ein Gefühl von Schutz und Ruhe. Anders als bei reiner Entspannungsmusik oder Atemtechnik arbeitet die Übung mit einem inneren Bild, das Sie jederzeit abrufen können, auch ohne Anleitung von außen.

Der Nutzen zeigt sich in mehreren Situationen gleichzeitig:

  • Schnelle Beruhigung bei akutem Stress oder Anspannung, oft binnen weniger Minuten spürbar
  • Aufbau von Selbstwirksamkeit, weil Sie lernen, Ihren Zustand selbst zu beeinflussen
  • Vorbereitung auf herausfordernde Gespräche oder Nachsorge nach belastenden Ereignissen
  • Ergänzung zu Atemübungen und anderen Entspannungsmethoden für zuhause

Wichtig: Die Übung ersetzt keine Psychotherapie. Sie ist ein Werkzeug zur Selbstregulation, kein Behandlungsverfahren für tieferliegende Traumafolgen.

Warum wirkt Imagination? Neuropsychologische und therapeutische Hintergründe

Diagramm zum neuropsychologischen und therapeutischen Ablauf der sicheren-Ort-Visualisierung

Ihr Gehirn unterscheidet auf neuronaler Ebene nur bedingt zwischen einem lebhaft vorgestellten Bild und einer real wahrgenommenen Situation. Wenn Sie sich einen ruhigen Strand mit allen Details ausmalen, reagiert Ihr Körper ähnlich wie bei echter Entspannung: Der Puls sinkt, die Atmung wird tiefer. Genau diesen Mechanismus nutzt die Übung gezielt aus.

Die Traumaforscherin Luise Reddemann hat diese Methode über Jahrzehnte in der Therapie etabliert. Ihre Arbeit beschreibt den Wohlfühlort als zentrale Ressourcenübung, die Stabilisierung ermöglicht, bevor überhaupt an belastende Inhalte herangegangen wird. Erst die Ressource, dann gegebenenfalls die Konfrontation, so lautet das Prinzip. In der Traumapädagogik ist diese Reihenfolge fest verankert.

Für die Praxis heißt das: Sie bauen sich zuerst einen verlässlichen inneren Rückzugsort auf, bevor Sie sich mit schwierigen Themen befassen. Diese Reihenfolge schützt vor Überforderung und macht die Übung auch für Menschen mit belastender Vorgeschichte grundsätzlich zugänglich, sofern keine der weiter unten genannten Ausschlusskriterien vorliegen.

Wie visualisiere ich einen sicheren Ort Schritt für Schritt?

Nehmen Sie sich für den ersten Durchgang ausreichend Zeit, etwa um die Viertelstunde, ungestört und an einem ruhigen Ort. Sie können sitzen oder liegen, ganz wie es sich für Sie stimmiger anfühlt. Die Übung folgt in der Traumapädagogik klassischerweise fünf Phasen: Einleitung, Suche, Ausgestaltung, Verankerung und Rückkehr.

  1. Einleitung: Schließen Sie die Augen, wenn Ihnen das angenehm ist, oder lassen Sie den Blick weich auf einen Punkt fallen. Atmen Sie dreimal bewusst tief aus. Spüren Sie kurz den Kontakt Ihres Körpers zum Boden oder zur Sitzfläche.
  2. Suche: Fragen Sie sich, wo Sie sich vollkommen sicher fühlen könnten. Ein realer Ort aus Ihrer Erinnerung, eine Fantasiewelt, ein Ort aus einem Film. Es gibt keine falsche Antwort. Lassen Sie das erste Bild einfach auftauchen, ohne es zu bewerten.
  3. Ausgestaltung: Geben Sie dem Ort Details. Was sehen Sie? Welche Farben, welches Licht? Gibt es Geräusche? Wie fühlt sich der Untergrund unter Ihnen an?
  4. Verankerung: Wählen Sie eine Geste, ein Wort oder ein inneres Bild, das Sie mit diesem Zustand verbinden, etwa die Hand auf das Brustbein legen und dabei „sicher“ denken.
  5. Rückkehr: Zählen Sie langsam von fünf auf eins rückwärts, strecken Sie Arme und Beine, atmen Sie tief ein und öffnen Sie die Augen erst dann, wenn Sie sich wieder ganz im Raum orientiert fühlen.

Notieren Sie sich nach dem ersten Durchgang in ein, zwei Sätzen, wie sich Ihr Ort anfühlt. Das erleichtert es, ihn beim nächsten Mal schneller wiederzufinden. Ergänzend hilft eine kurze Atemübung gegen innere Unruhe vor dem Einstieg, besonders wenn Sie ohnehin schon angespannt sind.

Profi-Tipp: Wiederholen Sie die Ausgestaltung an den ersten Tagen mit demselben Bild, statt jedes Mal einen neuen Ort zu suchen. Ihr Gehirn braucht Wiederholung, um den Ort als verlässlichen Anker abzuspeichern.

Person übt achtsames Atmen mit Hand auf der Brust

Wie gestalte ich den sicheren Ort mit allen Sinnen?

Ein Bild allein wirkt schwächer als eine Szene, die Sie mit dem ganzen Körper erleben. Praktische Merkblätter zur Imaginationsübung des inneren sicheren Ortes empfehlen deshalb, systematisch alle Sinneskanäle anzusprechen, statt sich nur auf das Visuelle zu verlassen.

Nutzen Sie diese Fragen, um Ihren Ort detaillierter vorzustellen:

  • Sehen: Welche Farben dominieren? Ist es hell oder gedämpft, weit oder eng?
  • Hören: Rauscht Wasser, singt ein Vogel, herrscht vollkommene Stille?
  • Riechen: Liegt Salzwasser in der Luft, frisches Holz, der Duft von Regen?
  • Fühlen: Wie fühlt sich der Boden an, die Temperatur auf der Haut, ein Windhauch?
  • Schmecken: Gibt es etwas zu schmecken, vielleicht nur einen frischen Atemzug?

Für den Alltagsanker kann eine unauffällige Geste wie das Berühren des eigenen Handgelenks oder ein inneres Schlüsselwort genutzt werden, das Sie unbemerkt in einem Meeting oder Gespräch einsetzen können. Üben Sie den vollständigen Ablauf anfangs täglich einige Minuten. Nach einiger Zeit reicht meist schon die Geste allein, um den Zustand teilweise abzurufen, ganz ohne die komplette Imagination durchlaufen zu müssen.

Profi-Tipp: Verknüpfen Sie den Anker mit einer Bewegung, die Sie ohnehin regelmäßig ausführen, etwa dem Öffnen der Laptop-Tasche vor einem Meeting. So entsteht eine natürliche Erinnerungsbrücke.

Wie funktioniert die Übung bei Kindern und Jugendlichen?

Kinder profitieren von kürzeren, konkreteren Versionen. Statt langer Sprachbilder helfen Malen, ein Schatzkistchen mit kleinen Erinnerungsstücken oder ein Kuscheltier als greifbarer Anker. Kreative Materialien senken das Risiko, dass Kinder sich in der Vorstellung verlieren, und erleichtern es, den Ort später schnell wiederzufinden.

Praktische Elemente für Betreuungspersonen:

  • Ein gemaltes Bild des sicheren Ortes zum Anschauen bei Bedarf
  • Eine kleine Schatzkiste mit Gegenständen, die Sicherheit symbolisieren
  • Gefühlskarten, um vor und nach der Übung den Zustand zu benennen
  • Ein klares Ausstiegssignal, das das Kind jederzeit selbst geben darf

Führen Sie die Übung nur mit Zustimmung der Bezugsperson durch und halten Sie die Anleitung deutlich kürzer als bei Erwachsenen.

Wann ist die Übung riskant und wie schützt man sich?

Nicht jede Situation eignet sich für diese Imagination. Bei akuten Dissoziationszuständen, floriden Psychosen oder akuter Suizidalität sollte die Übung nur unter fachlicher Begleitung stattfinden, da innere Bilder in diesen Zuständen unkontrollierbar kippen können.

Achten Sie während der Übung auf Warnsignale:

  • Gefühl von Losgelöstheit vom eigenen Körper oder der Umgebung
  • Aufkommende Bilder, die statt Ruhe zusätzliche Angst auslösen
  • Unfähigkeit, sich wieder auf den Raum zu konzentrieren

Bei solchen Anzeichen brechen Sie sofort ab: Augen öffnen, Füße fest auf den Boden drücken und die 5-4-3-2-1-Methode nutzen, bei der Sie nacheinander fünf Dinge benennen, die Sie sehen, vier, die Sie hören, und so weiter. Bei traumatischer Vorgeschichte empfiehlt sich die erste Durchführung ohnehin gemeinsam mit einer Fachperson, nicht allein zuhause.

Wie sieht ein sinnvoller Übungsplan aus?

Kurze, regelmäßige Wiederholung bringt mehr als eine einzelne lange Sitzung. Bauen Sie die Übung wie ein Training auf:

  1. Woche 1: Täglich einige Minuten, Fokus auf die Suche und erste Ausgestaltung des Ortes.
  2. Woche 2: Täglich einige Minuten mit gelegentlichen längeren Sitzungen für eine tiefere Ausgestaltung mit allen Sinnen.
  3. Woche 3: Einführung des Ankers, Test in einer leicht stressigen Alltagssituation.
  4. Woche 4: Anker gezielt vor einer bewusst herausfordernden Situation einsetzen, etwa vor einem Meeting oder einem schwierigen Gespräch.

Für akuten Stress zwischendurch reicht eine Zwei-Minuten-Version: Augen kurz schließen, Anker-Geste ausführen, drei tiefe Atemzüge, das innere Bild kurz aufrufen, dann bewusst zurückkommen. Diese Kurzform funktioniert besonders gut, wenn der Ort schon durch Wiederholung gut trainiert ist. Als Erfolgskriterium reicht ein einfaches Tagebuch: Notieren Sie auf einer Skala von eins bis zehn, wie angespannt Sie vor und nach der Übung waren.

Was Kursteilnehmende über den sicheren Ort berichten

In der Kursarbeit bei Balance-journey zeigt sich immer wieder ein Muster: Teilnehmende, die anfangs skeptisch sind, ob eine reine Vorstellungsübung überhaupt etwas bewirkt, berichten nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger Anwendung von einem spürbar leichteren Zugang zu Ruhe vor Präsentationen oder schwierigen Teamgesprächen. Der Unterschied liegt oft nicht im ersten Versuch, sondern in der Wiederholung.

Für Einsteiger eignet sich meist ein strukturierter Gruppenkurs, in dem die Übung Schritt für Schritt begleitet wird. Wer bereits belastende Erfahrungen mitbringt oder die Übung allein nicht stabil hinbekommt, ist mit einer Einzelsitzung besser beraten, in der ein Trainer individuell auf Reaktionen eingehen kann. Diese Unterscheidung trifft man nicht am Schreibtisch, sondern am besten im Gespräch mit einer erfahrenen Begleitperson.

— Magdalena

Wie Balance-journey Sie bei der Übung unterstützt

Balance-journey bietet den entscheidenden Unterschied zum Alleingang: eine geschulte Trainerin oder ein Trainer, der die Imagination live begleitet und sofort reagiert, wenn ein Bild kippt oder Sie sich verlieren, statt dass Sie erst hinterher merken, dass etwas nicht gepasst hat.

Balance-journey

Für den Einstieg eignet sich der Online-Entspannungskurs, der die Übung des inneren sicheren Ortes in eine strukturierte Abfolge über mehrere Wochen einbettet, ganz bequem von zuhause aus. Wer bereits unter starkem Alltagsdruck steht, findet im Programm Stressmanagement im Alltag lernen einen Rahmen, der die Imaginationsübung mit weiteren Techniken zur Nervensystem-Regulation kombiniert. In Berlin gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die Übung in einem Präsenzkurs mit persönlicher Begleitung zu erlernen. Wenn Bewegung Ihnen zusätzlich hilft, herunterzukommen, lohnt sich ergänzend ein Blick auf den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Fitness. Buchen Sie eine erste Sitzung oder fragen Sie unverbindlich einen Workshop-Termin an, um zu sehen, welches Format zu Ihrer Situation passt.

Quellen

Die Anleitung zur Imaginationsübung in der Traumapädagogik liefert die strukturierte Fünf-Schritte-Vorlage, die dieser Artikel aufgreift. Reddemanns Grundlagentext Imagination als heilsame Kraft erklärt die therapeutische Herleitung der Methode. Das ETH-Merkblatt zur Imaginationsübung eignet sich besonders für die eigenständige, sinnesbasierte Durchführung zuhause.

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